13. Befreiung
Merlin folgte den Spuren, die er ausgemacht hatte. Zuerst hatte er ihre Rufe noch vernommen, doch dann wurden diese immer leiser - und erstarben schließlich. Er versuchte immer wieder, sie seinerseits zu rufen, doch da es anscheinend auch nicht funktionierte, und sie ihn wohl nicht vernahm, war er über alle Maßen besorgt und beunruhigt. Arthur konnte es ihm an seinem Gesichtsausdruck ansehen und es tat ihm Leid, ihm nicht helfen zu können. Auch er machte sich Sorgen. Was hatte Morgana nur mit den Mädchen vor? Und was wollte sie von Leeana? Arthur konnte sich noch vorstellen, dass Morgana Jade brauchen konnte, als Druckmittel für Elle.
Doch diese Elle kannte Leeana doch gar nicht… Also warum sie? Er verstand es nicht, aber was hieß das schon? Im Grunde hatte er seine ehemalige Ziehschwester noch nie verstanden. Und nachdem sie seinen Vater ermordet hatte.. Arthur fröstelte es. Er riss sich zusammen. Das war der falsche Zeitpunkt um sentimental zu werden, noch dazu vor Merlin und seinen Rittern! Er war ihr Führer. Der König! Und es musste weiter gehen. “Wohin jetzt, Merlin? Hörst du sie noch?” fragte er seinen Berater und sah ihn an. Dessen Gesichtsausdruck erschreckte ihn zutiefst. Merlin antwortete nicht sofort. Schließlich schüttelte er den Kopf. “Nein, Sire, ich höre sie nicht mehr.. Sie scheint ohnmächtig geworden zu sein…; aber ich spüre, dass die Richtung, in die wir laufen, die richtige ist! Das spüre ich…”
Arthur zweifelte. Auch die Ritter wussten nicht, was sie von dieser Mitteilung halten sollten. War Leeana wirklich nur ohnmächtig? Oder war der Abbruch der Mitteilungen an Merlin ein Zeichen dafür, dass sie tot war? Doch die Frage traute sich niemand zu stellen.. Schließlich war es Arthur, der es doch tat. Merlin sah ihn an und in seinen Augen sprühten Funken. Er schüttelte den Kopf. “Nein, sie ist nicht tot!” sagte er nur; seine Stimme war heiser, dennoch wusste jeder, dass ein Widerspruch zwecklos war. Arthur nickte nur und sie zogen weiter; einem wagen Gefühl Merlins hinterher…
Schließlich waren sie in einem Waldgebiet angekommen. Etwas an diesem ließ Merlin erschaudern. Er ahnte, nein er WUSSTE, dass Morgana nicht weit war. Hier war etwas geschehen; Morgana war hier gewesen; er konnte es fühlen! “Sie war hier!” sagte er, mit immer noch heiserer Stimme. Arthur und die Ritter zogen ihre Schwerter - obwohl niemand etwas sehen oder hören konnte, und Merlins Sinne waren aufs Äußerste angespannt. Doch auch er konnte nichts wirklich Gefährliches erkennen. Es war beinahe so, als ob das, was er spürte, bereits geschehen wäre. Dann wusste er es; wenn Morgana hier gewesen war, dann war es bereits geschehen. Sie war bereits fort. Jedenfalls hielt sie sich in diesem Moment nicht mehr in diesem Wald auf. Doch etwas zog ihn dennoch weiter. Ein neues Gefühl hatte sich in ihm breit gemacht. Er hatte Herzklopfen, und wusste nicht einmal genau warum. Etwas war geschehen, beziehungsweise geschah genau in diesem Augenblick! Etwas Grauenhaftes, was er verhindern musste!
Und genau in dem Moment traten sie aus dem Wald heraus - und sahen Morganas Schloss. Es war genauso, wie Merlin es in seiner Vision gesehen hatte. Ihm lief ein Schauer über den Rücken. Es war mit nichts mit Camelot zu vergleichen. Dieses Schloss war angsteinflößend, dunkel, bedrohlich. Es passte in jeder Hinsicht zu Morgana. Nun hielt Merlin nichts mehr. Er sprang vom Pferd und raste auf das Schloss zu. Arthur und die Ritter fluchten und er hörte Arthur hinter sich rufen: “Merlin, warte! Bist du verrückt geworden?? Wir wissen nicht, was für Gefahren hier…” Weiter kam er nicht. Merlin war schon außerhalb seiner Hörweite. Er wusste einfach, dass er in diese Mauern eindringen musste, um etwas Ungeheuerliches, etwas Furchtbares zu verhindern. Auch, wenn er nicht wusste, was es war. Merlin ließ jede Vorsicht außer acht und lief in die Richtung, die ihm sein Gefühl angab. Arthur und die Ritter folgten ihm mit gezogenen Schwertern. Auch, wenn sie bis jetzt nicht hatten kämpfen müssen, dennoch waren sie vorsichtig. Und sie ahnten, dass ihnen, wenn sie nicht aufpassten, die schwarze Hexe über den Weg laufen könnte; eine Option, über die Merlin anscheinend überhaupt nicht nachdachte - oder es machte ihm nichts aus…
Schließlich waren sie am Schloss angekommen. Merlin fackelte nicht lange. Er öffnete mit einem Zauberspruch die Tür, die sich kurz aufzubäumen schien - und dann seiner Macht nachgab. Noch kam niemand um sie aufzuhalten. Weder Morgana, noch eventuelle Schergen, die das Schloss bewachten. Es sah überhaupt so aus, als ob niemand da war… Und dann sahen sie doch noch ein kleines Wesen aus einer Ecke auf sie zukommen, das zuerst versuchte, sich ihnen in den Weg zu stellen. Ein kleiner Irrwisch, wie Merlin verdutzt bemerkte. Er hielt sich nicht lange mit ihm auf, sondern ließ ihn erstarren - um ihn sich vorzunehmen: “Wo sind die Mädchen und Elle, die Hüterin der Elemente? Wo hat Morgana sie versteckt?” Der Irrwisch schüttelte den Kopf. Ihm war die Angst ins Gesicht geschrieben, und er wurde immer panischer, als er von Merlin erneut in die Mangel genommen wurde. Dessen Gesichtsausdruck veränderte sich; so hatte selbst Arthur ihn noch nie gesehen, was diesem Angst machte: “Merlin? Merlin! Du bringst uns auch nicht weiter, wenn du ihn umbringst!“ Das kleine Wesen, das von Merlin in die Mangel genommen wurde, öffnete plötzlich seinen Mund - und sowohl Arthur als auch den Rittern fiel etwas an ihm auf. Arthur sprach es schließlich aus: “Merlin, warte. Merkst du es nicht? Der Kleine scheint keine Zunge mehr zu haben! Er kann nicht reden! Lass ihn los!”
Schließlich merkte es auch Merlin. Geschockt ließ er ihn tatsächlich los und wurde etwas ruhiger. Morgana hatte dem Wesen die Zunge entfernt? Das war ja furchtbar.. Dennoch musste er wissen, ob dieser Zwerg ihnen helfen konnte.. “Ich frage dich noch einmal: Wo sind die Mädchen und Elle? Kannst du uns zu ihnen führen?” Der Irrwisch nickte. Er wusste in Wirklichkeit mehr, als selbst Morgana ahnte, doch er hielt sich aus allem raus. Das war besser für ihn… Doch nun war seine Herrin nicht hier - er hatte keine Ahnung wohin sie verschwunden war - und er konnte es wagen, sich ihr zu widersetzen. Zumal er Angst hatte, von den jetzt hier eingefallenen Feinden Morganas, was diese definitiv waren, ermordet zu werden.. Also nickte er erneut und zeigte nach unten. Merlins Augen wurden schmal. “Meinst du die Kerker?” fragte er ihn geradeheraus und wieder nickte dieser. “Wie kommt man dorthin?” fragte er ihn und der Kleine zeigte erneut auf den Boden, woraufhin Merlin ihn runter setzte. Der Irrwisch begann, Richtung Ausgang zu wuseln und blickte dann zurück zu Merlin, Arthur und den Rittern. Diese folgten ihm.
Nach einigen Minuten hatte dieser sie zu einem Eingang geführt, der eindeutig in die Kerkergewölbe herunter führte. Das kleine Wesen zitterte. Es war eindeutig zu merken, dass er Angst hatte, weiter zu gehen. Merlin nickte, was das Wesen sich nicht zweimal sagen ließ. Er war so schnell verschwunden, dass weder Merlin, noch Arthur und seine Ritter erkennen konnten, wohin…
Doch das war jetzt egal. Sie hatten den Eingang gefunden und Merlin spürte einen immer größer werdenden Druck in sich. Er spürte Gefahr; große Gefahr. Dann raste er die Treppe und den Gang hinab, der ihn in die Kerker führte.
Merlin war noch vor Arthur und seinen Rittern in der Nähe der Zellen, so dass er der erste war, der es sah:
Die Beschaffenheit der Zellen, die vor ihm lagen, sah genau so aus, wie in seiner Vision, die schon einige Zeit zurück lag. Er sah Elle in der hintersten Zelle, sie war an eine Wand gefesselt, und in der Nebenzelle stand Jade, die ihre Hand an die Zellenstange hielt. Sie schrieen, und keiner von beiden nahm von ihm Notiz.
Merlins Blick glitt in die Richtung, in die Elle und Jade starrten und im ersten Moment erstarrte er in seinem Lauf. Er konnte nicht fassen, was er da sah. Er erblickte Leeana, ohnmächtig auf dem Boden liegend - und vor ihr kniete ein Mann, in eindeutiger Stellung.. Er hatte sie entkleidet, und sich selbst ebenfalls. Merlins Blut kochte. Das war es also, was er die ganze Zeit gespürt hatte.. Nun gab es kein Halten mehr. Er brüllte und das nächste, was zu hören war, war das laute Knallen der Kerkertür, als diese aufflog. Merlin stürzte hinein. Er nahm Elles und Jades erschreckte Ausrufe gar nicht mehr wahr; auch Arthurs Rufe nicht, der ihm etwas zurief. Er sah nur den Bastard vor sich, der gerade dazu ansetzte, seine kleine Leeana zu schänden.
Merlins Augen blitzten gelb auf und der Söldner, der gerade seinen Trieben freien Lauf lassen wollte, wusste nicht, wie ihm geschah. Er wurde von Leeanas Körper weggeschleudert und landete vor den Gitterstäben der Kerkerzelle. Merlin kniete sich auf ihn. Seine Augen funkelten immer noch gelb; doch sein Gesichtsausdruck war so verzerrt, dass es selbst Arthur, der nun ebenfalls in der Zelle angekommen war, mit der Angst zu tun bekam. So hatte er Merlin das letzte Mal vor 5 Jahren erlebt, als dieser unter dem Einfluss des weiblichen Dämons Lucerna gestanden hatte, und versucht hatte, ihn zu töten…
Dann riss er sich wieder zusammen. Er konnte Merlins Gefühle verstehen, auch er hatte begriffen, was hier beinahe geschehen wäre und auch in ihm regte sich Wut. Doch er begriff auch, dass sie diesen Söldner - Arthur hatte bemerkt, dass es sich bei ihm um einen solchen handelte - eventuell noch brauchen könnten; vor allem, wenn es darum ging, herauszubekommen, wo sich Morgana aufhielt.
Denn sie konnten mittlerweile davon ausgehen, dass diese nicht mehr im Schloss war.
Arthur legte Merlin eine Hand auf die Schulter. Dieser zuckte zusammen, doch er ließ den Griff, mit dem er den Söldner festhielt und ihn scheinbar zusammen sinken ließ, nicht los. Arthur bemerkte, dass der Söldner nicht mehr in der Lage zu sein schien, zu atmen. Das war Merlins Werk… “Merlin, hör auf damit!” Doch es gab keine Reaktion. Arthurs Ritter hatten mittlerweile versucht, die Kerkerzellen von Elle und Jade aufzubrechen, doch sie waren mit einem Zauber belegt, der so stark war, dass wohl nur ein anderer Zauberer in der Lage war, diese zu öffnen. So mussten sie sich damit begnügen, vor den Zellen Wache zu halten um diese vor eventuellen neuen Feinden zu verteidigen. Solange, bis Merlin wieder zur Vernunft kam… Arthurs Griff wurde fester. “MERLIN! HÖR AUF!!” Seine Stimme klang drohend. Und langsam drang sie in Merlins Ohr. Sein Griff wurde langsam weicher. Dennoch klammerte er noch an seiner Kehle. “Warum sollte ich diesen Bastard los lassen? Habt Ihr nicht gesehen, was er Leeana antun wollte??” presste er schließlich hervor. Arthur schluckte. “Doch, Merlin, das habe ich.. Und ich will nicht abstreiten, dass er es durchaus verdient hätte..
Dennoch bist du nicht der Mensch, der anderen so etwas antut; das weiß ich - und du weißt es auch! Du bist kein Mörder, Merlin! Auch nicht bei so einem “Menschen” wie ihm…” Arthur hatte das Wort “Mensch” mit so viel Verachtung ausgesprochen, wie es ihm nur möglich war. Dann riss er sich wieder zusammen. “Merlin, es gibt noch einen Grund: Hast du schon einmal daran gedacht, dass er wissen könnte, wo Morgana jetzt ist - sie ist definitiv nicht mehr hier im Schloss - und was sie vorhat? Er könnte uns Informationen geben. Wir brauchen ihn!”
Die Argumente kamen bei Merlin an und erreichten ihn schließlich auch. Bitterkeit stieg in ihm hoch, als er ihn schließlich aus seinem Würgegriff entließ. Arthur winkte Sir Lancelot und Sir Leon zu sich, die sich um den Söldner kümmerten. Auch sie nahmen ihn in einen festen Griff, doch nur so feste, dass er ihnen nicht entkommen konnte, nicht, um ihn umzubringen… “Und nun wollen wir Antworten hören, mein “Freund””, knurrte Arthur, als er sein Schwert zog, und es dem Söldner vor den Hals hielt…
Während sich nun Arthur und die Ritter den Söldner vornahmen, ging Merlin zu Leeana. Er kniete sich vor sie. Tränen standen ihm in den Augen, als er ihre Verletzungen sah. Die Haut an den Oberschenkeln sah furchtbar aus. Als erstes heilte er ihre Wunde. Diese schloss sich auch, doch Leeana wurde nicht wach. Die Ohnmacht war tief und er wusste nicht, weshalb sie nicht erwachte. Merlin riss sich zusammen und zog ihr als nächstes erst einmal wieder ihre Kleidung an. Er wollte nicht, dass sie sah, dass ein fremder Mann sie entblößt hatte, um… Er konnte nicht einmal daran denken, ohne beinahe auszuspeien. Was hatte das nur zu bedeuten.. Dann drangen Worte an sein Ohr. Er hörte seinen Namen und es waren weibliche Stimmen. Die eine kannte er, die andere noch nicht. Er sah auf.
Dann erblickte er Jade. Auch sie hatte Tränen in den Augen. Neben ihr in der anderen Zelle war Elle. Beide waren noch eingesperrt, und nun meldete sich auch Sir Gwain zu Wort: “Merlin, ich schaffe es nicht, mit meinem Schwert die Schlösser aufzubrechen; ich glaube, da hilft nur Magie..” Merlin strich Leeana kurz über ihr Gesicht, küsste sie sanft auf die Stirn und sagte: “Ich komme gleich wieder”… Dann ging er in Richtung der Zellen. Schließlich stand er vor ihnen. Zuerst nahm er das Schloss zu Elles Zelle in seine Hände, und das Schloss öffnete sich. Er ging ohne ein Wort zu ihr und befreite sie von ihren Fesseln. Dann öffnete er Jades Zellenschloss. Danach ging er ohne ein weiteres Wort zurück in Leeanas Zelle. Erneut kniete er sich nieder und nahm sie in die Arme. Warum wachte sie nicht auf? Er fühlte sich an den Moment erinnert, als er das letzte Mal glaubte, sie für immer verloren zu haben… Es war ein schrecklicher Augenblick gewesen. Dieses Mal wusste er, dass sie nicht tot war; doch er konnte nicht ausmachen, warum sie - trotz seiner Versuche - nicht wach wurde! Und dieses Mal gab es keine magischen Schutzsteine. Merlin wusste, dass wenn sie jetzt sterben würde, sie tatsächlich tot war. Ein- für allemal! Nichts und niemand konnte sie wieder holen. Und das durfte nicht sein…
Plötzlich merkte er, dass sich noch jemand neben ihn gekniet hatte. Er sah auf und bemerkte die rothaarige Frau - Elle, die Hüterin der Elemente - die ihn mit ihren großen, haselnussbraunen Augen ansah, aus denen die reinste Güte sprach. Und eine unausgesprochene Frage, die er mit einem stummen Nicken beantwortete. Elle legte eine Hand auf Leeanas Stirn. Dann schloss sie die Augen. Merlin nahm unterdessen Leeanas Hand in seine und beobachtete fasziniert, wie Leeanas Körpertemperatur, die vorab unnatürlich warm gewesen war - man könnte beinahe sagen, dass Leeana Fieber gehabt hatte - langsam sank. Und dann traten Tränen aus ihren Augen. Es schien beinahe, als würde sie weinen… “Was…” wollte er gerade ansetzen zu fragen, als er eine schwache Stimme und ein Stöhnen hörte. Leeana wurde langsam wach.
Merlin drückte sie an sich. Er schloss die Augen und streichelte sie, während sie langsam immer ruhiger zu werden schien.
Schließlich war es Leeana, die ihn ein wenig von sich fort schob. “Merlin? Bist du es wirklich??” fragte sie ihn, ungläubig. Er nickte nur. “Gott sei dank, du hast uns gefunden!” sagte Leeana nur und drückte sich erneut an ihn. Er erwiderte ihre Umarmung. Derweil war Elle aufgestanden und flüsterte ihm ins Ohr: “Sie war ohnmächtig; ich denke, sie hat davon nichts mitbekommen…” Dann ging sie, anscheinend um die beiden nicht zu stören. Merlin war ihr dankbar dafür. Und er war dankbar dafür, dass Leeana anscheinend von der versuchten Schändung nichts mitbekommen hatte. Er würde es ihr auch nicht erzählen und hoffte, dass es auch Arthur und seine Ritter nicht tun würden.
Apropos Arthur.. Er küsste Leeana erneut auf die Stirn und flüsterte sanft: “Ich muss kurz zu Arthur.. Gehst du eben mit Sir Gwain zu Elle und Jade?” Er winkte dem Ritter zu, und dieser verstand. Er kam sofort um die noch sehr schwache Leeana mit sich zu nehmen. Elle und Jade waren sich mittlerweile in die Arme gefallen. Nun nahmen sie Leeana in ihre Obhut und kümmerten sich um sie, während Merlin zu Arthur und den Rittern ging, die sich um diesen Söldner kümmerten. Wieder entflammte abgrundtiefer Hass in ihm, als er daran dachte, was er getan hatte, doch er versuchte, ihn zu dämpfen. Auch ihm kamen die Erinnerungen an die schrecklichen Tage, vor 5 Jahren hoch, als er schon einmal den Hass in ihn hatte fahren lassen. Das sollte nicht noch einmal passieren, auch, wenn das Opfer dieses Mal nicht Arthur Pendragon war..
Arthur sah ihn zuerst. Er kniff die Augen zusammen: “Bist du wieder bei dir?” fragte er nur und Merlin nickte. “Ja, das bin ich.. Habt Ihr etwas über ihn heraus gefunden?” fragte er nur und Arthur nickte. “Ja, das haben wir tatsächlich. Er war zuerst ein wenig - sagen wir redefaul - doch nachdem wir etwas nachgeholfen haben, hat er uns etwas wirklich Interessantes erzählt. Es ist wohl so, dass ein Mann namens Nirar mehrere Söldner beauftragt hat, nach Morgana zu suchen und ihm ihren Aufenthaltsort zu nennen. Warum weiß er nicht, danach haben sie angeblich nicht gefragt.. Nun ja, jedenfalls war er der erste, der sie ausfindig gemacht hat; nur leider wurde er von ihr erwischt.. Und nachdem er ihr dasselbe erzählt hat, wie uns jetzt, hat sie ihm das Doppelte der Belohnung versprochen - plus einer “Zusatzbelohnung””. Arthur machte eine kurze Pause. “Die “Zusatzbelohnung” waren Leeana und Jade.. Er sollte sich beide “vornehmen” um damit Elle weich zu bekommen.. Tut mir Leid, Merlin.. Ich denke, wir sind wirklich gerade im richtigen Moment gekommen…”
In Merlin kochte es erneut. Er konnte sich gerade noch beherrschen, doch er musste sich umdrehen. Und Arthur konnte sehen, wie Merlin seine Hände zu Fäusten ballte, bis sich diese weiß färbten. Er konnte Merlins Gefühle verstehen. Auch in ihm kam ähnliche Wut hoch, wenn er daran dachte, was der Kerl beinahe getan hätte. Dennoch konnte er nicht zulassen, dass Merlin ihm etwas tat. Zudem.. Er sprach schnell weiter: “Er hat uns auch erzählt, dass Morgana nun auf dem Weg in sein Land ist, um diesen Nirar zu finden. Sie will wohl von ihm wissen, was er über sie weiß und weshalb er sie suchen lässt.. Und dasselbe werden wir nun auch tun. Wir werden sie suchen - und er wird uns begleiten. Eventuell ist er uns ja sogar noch nützlich. Du wirst uns sicherlich noch hilfreich sein, nicht wahr; Söldner?”
Lassar sah Arthur nur verächtlich an, doch als er dann in Merlins Augen sah, die vor Verachtung und Hass nur so sprühten, nickte er. Auch, wenn er es sich nicht anmerken ließ, er hatte Angst vor diesem Zauberer. Und er hatte nicht vor, seinetwegen sein Leben zu verlieren. Nicht für ihn und auch nicht für diese Zauberin. Für niemanden. Er würde erst einmal mit ihnen zurück gehen. Und wenn die Gelegenheit günstig war, würde er versuchen zu fliehen. Es würde sich schon eine Gelegenheit ergeben. Dachte er jedenfalls…
Nachdem nun klar war, was sie tun würden, ging Merlin erneut zu Elle, Jade und Leeana, die bei Gwain standen und von ihm versorgt wurden. Elle und Jade schien es gut zu gehen und Leeana bekam auch langsam mehr Farbe im Gesicht. Auch ihr ging es wieder besser. Merlin sah es mit Freude. Dennoch stand ihm die Sorge ins Gesicht geschrieben und er wollte auf keinen Fall, dass Leeana gesagt bekam, was während ihrer Ohnmacht geschehen war. Er würde noch mit Elle und Jade sprechen müssen… Vorerst übernahm Arthur das Reden und teilte ihnen in kurzen und knappen Sätzen mit, was sie nun vorhatten. Danach war es erst einmal ruhig. “Also habt Ihr vor, Morgana hinterher zu reisen und herauszufinden, was dieser Nirar von ihr will.. Und wer er überhaupt ist?” fasste schließlich Sir Gwain Arthurs Worte zusammen. Dieser nickte. “Und was ist mit Elle und den Mädchen? Sie müssen sie zurück nach Camelot bringen!” sagte Merlin. Ihm war deren Sicherheit wichtiger. Arthur schüttelte den Kopf: “Wir haben keine Zeit dafür. Wir werden alle gehen, Merlin. Elle und die Mädchen sind in unserer Obhut. Und außerdem haben auch Elle und Jade Fähigkeiten, die uns durchaus hilfreich sein können, nicht wahr, Elle?” Diese nickte. “Ja, das haben wir. Macht Euch keine Sorgen um uns, wir schaffen das schon.” Doch Merlin war nicht zu überzeugen. Er schüttelte den Kopf: “Ich werde Leeana nicht noch einmal in Gefahr bringen! Sie mitzunehmen ist viel zu gefährlich! Was ist, wenn wir angegriffen werden? Wenn Morgana uns angreift? Sie hat Elle hier eingesperrt, weil sie sich ihre Macht aneignen wollte. Was ist, wenn sie heraus findet, dass wir sie befreit haben, und uns angreift?..”
Weiter kam er nicht. Arthur war vor ihn getreten und nun blitzte es in seinen Augen. Er war wütend, das konnte man erkennen: “Merlin, du hörst mir jetzt zu: Ich habe bis jetzt alles getan, was du wolltest, da es um die Mädchen und Elle ging. Und ich weiß, wie viel dir vor allem Leeana bedeutet. Doch jetzt ist Schluss! ICH bin hier der Führer! Die Mädchen und Elle sind befreit. Jetzt ist es vorrangig, Morgana zu finden. Und außerdem denke ich, dass es auch für Elle, Jade und Leeana sicherer ist, wenn sie von uns beschützt werden. In Camelot waren sie ja auch nicht sicher, oder?” Das letzte Argument war ausschlaggebend, das Merlin zumindest zweifelte und nicht sofort zurück schlug. Plötzlich trat Leeana zu ihm und legte ihm eine Hand auf die Schulter. “Arthur hat Recht. Außerdem möchte ich bei euch bleiben. Vor allem bei dir! Du, Elle und Jade könnt uns vor magischen Gefahren beschützen, während uns Arthur und die Ritter bei Angriffen schützen. Bitte Merlin, lass uns nicht alleine nach Camelot zurück!”
Sie hatte so eindringlich gesprochen, dass Merlin schließlich nachgab. Er seufzte. Begeistert war er von dem Plan immer noch nicht, aber im Grunde wusste er, dass Arthur Recht hatte. Er nickte ergeben. “Also gut. Damit wäre das erledigt. Lass uns aufbrechen. Leeana, du reitest mit Merlin auf einem Pferd, Elle und Jade können jeweils bei Sir Leon und Sir Gwain aufsitzen. Und Lancelot,: Ihr reitet neben mir; denn auf Eurem Pferd nimmt unser “Gast“ Platz! Kommt jetzt!”
Und so wurde es gemacht. Der unfreiwillige “Gast” wurde gezwungen, ihnen den Weg zu beschreiben, der sie zu seinem Dort führen würde - und damit auch zu Morgana und diesem Nirar, von dem keiner wusste, was er im Schilde führte. Keiner von ihnen wusste, was sie erwartete und vor allem Merlin hatte einen Kloß im Hals und ein unheimlich übles Gefühl im Magen. Er hatte bei dem ganzen Trubel etwas ganz entscheidendes übersehen, bzw. vergessen, was ihm gerade wieder eingefallen war: Morgana hatte die Macht, die Mächte anderer Zauberer und Magier in sich aufzunehmen. Unter anderem die der Kinder, die sie getötet hatte. Auch Elles Mächte wären ihre, wenn sie es schaffen würde, sie zu besiegen. Glücklicherweise war die Gefahr nun wenigstens ein wenig geringer geworden. Doch war sie ganz gebannt; jetzt, wo sie mit ihnen reiste? Sicherlich nicht. Und noch etwas fiel ihm ein: Was war mit seinen Kräften? Wenn er sich mit ihr duellierte, könnte es doch genauso geschehen, dass sie ihn seiner Kräfte berauben könnte… Wie konnte er sie bekämpfen, ohne dass dies geschah? Er wusste es nicht; und das machte ihm extreme Sorgen. Doch noch behielt er diese für sich. Sie würden erst einmal weiter sehen. Jetzt ging es erst einmal darum, diesen Mann zu finden und heraus zu finden, wer er war, was er vorhatte und was Morgana damit zu tun hatte!…
Doch diese Elle kannte Leeana doch gar nicht… Also warum sie? Er verstand es nicht, aber was hieß das schon? Im Grunde hatte er seine ehemalige Ziehschwester noch nie verstanden. Und nachdem sie seinen Vater ermordet hatte.. Arthur fröstelte es. Er riss sich zusammen. Das war der falsche Zeitpunkt um sentimental zu werden, noch dazu vor Merlin und seinen Rittern! Er war ihr Führer. Der König! Und es musste weiter gehen. “Wohin jetzt, Merlin? Hörst du sie noch?” fragte er seinen Berater und sah ihn an. Dessen Gesichtsausdruck erschreckte ihn zutiefst. Merlin antwortete nicht sofort. Schließlich schüttelte er den Kopf. “Nein, Sire, ich höre sie nicht mehr.. Sie scheint ohnmächtig geworden zu sein…; aber ich spüre, dass die Richtung, in die wir laufen, die richtige ist! Das spüre ich…”
Arthur zweifelte. Auch die Ritter wussten nicht, was sie von dieser Mitteilung halten sollten. War Leeana wirklich nur ohnmächtig? Oder war der Abbruch der Mitteilungen an Merlin ein Zeichen dafür, dass sie tot war? Doch die Frage traute sich niemand zu stellen.. Schließlich war es Arthur, der es doch tat. Merlin sah ihn an und in seinen Augen sprühten Funken. Er schüttelte den Kopf. “Nein, sie ist nicht tot!” sagte er nur; seine Stimme war heiser, dennoch wusste jeder, dass ein Widerspruch zwecklos war. Arthur nickte nur und sie zogen weiter; einem wagen Gefühl Merlins hinterher…
Schließlich waren sie in einem Waldgebiet angekommen. Etwas an diesem ließ Merlin erschaudern. Er ahnte, nein er WUSSTE, dass Morgana nicht weit war. Hier war etwas geschehen; Morgana war hier gewesen; er konnte es fühlen! “Sie war hier!” sagte er, mit immer noch heiserer Stimme. Arthur und die Ritter zogen ihre Schwerter - obwohl niemand etwas sehen oder hören konnte, und Merlins Sinne waren aufs Äußerste angespannt. Doch auch er konnte nichts wirklich Gefährliches erkennen. Es war beinahe so, als ob das, was er spürte, bereits geschehen wäre. Dann wusste er es; wenn Morgana hier gewesen war, dann war es bereits geschehen. Sie war bereits fort. Jedenfalls hielt sie sich in diesem Moment nicht mehr in diesem Wald auf. Doch etwas zog ihn dennoch weiter. Ein neues Gefühl hatte sich in ihm breit gemacht. Er hatte Herzklopfen, und wusste nicht einmal genau warum. Etwas war geschehen, beziehungsweise geschah genau in diesem Augenblick! Etwas Grauenhaftes, was er verhindern musste!
Und genau in dem Moment traten sie aus dem Wald heraus - und sahen Morganas Schloss. Es war genauso, wie Merlin es in seiner Vision gesehen hatte. Ihm lief ein Schauer über den Rücken. Es war mit nichts mit Camelot zu vergleichen. Dieses Schloss war angsteinflößend, dunkel, bedrohlich. Es passte in jeder Hinsicht zu Morgana. Nun hielt Merlin nichts mehr. Er sprang vom Pferd und raste auf das Schloss zu. Arthur und die Ritter fluchten und er hörte Arthur hinter sich rufen: “Merlin, warte! Bist du verrückt geworden?? Wir wissen nicht, was für Gefahren hier…” Weiter kam er nicht. Merlin war schon außerhalb seiner Hörweite. Er wusste einfach, dass er in diese Mauern eindringen musste, um etwas Ungeheuerliches, etwas Furchtbares zu verhindern. Auch, wenn er nicht wusste, was es war. Merlin ließ jede Vorsicht außer acht und lief in die Richtung, die ihm sein Gefühl angab. Arthur und die Ritter folgten ihm mit gezogenen Schwertern. Auch, wenn sie bis jetzt nicht hatten kämpfen müssen, dennoch waren sie vorsichtig. Und sie ahnten, dass ihnen, wenn sie nicht aufpassten, die schwarze Hexe über den Weg laufen könnte; eine Option, über die Merlin anscheinend überhaupt nicht nachdachte - oder es machte ihm nichts aus…
Schließlich waren sie am Schloss angekommen. Merlin fackelte nicht lange. Er öffnete mit einem Zauberspruch die Tür, die sich kurz aufzubäumen schien - und dann seiner Macht nachgab. Noch kam niemand um sie aufzuhalten. Weder Morgana, noch eventuelle Schergen, die das Schloss bewachten. Es sah überhaupt so aus, als ob niemand da war… Und dann sahen sie doch noch ein kleines Wesen aus einer Ecke auf sie zukommen, das zuerst versuchte, sich ihnen in den Weg zu stellen. Ein kleiner Irrwisch, wie Merlin verdutzt bemerkte. Er hielt sich nicht lange mit ihm auf, sondern ließ ihn erstarren - um ihn sich vorzunehmen: “Wo sind die Mädchen und Elle, die Hüterin der Elemente? Wo hat Morgana sie versteckt?” Der Irrwisch schüttelte den Kopf. Ihm war die Angst ins Gesicht geschrieben, und er wurde immer panischer, als er von Merlin erneut in die Mangel genommen wurde. Dessen Gesichtsausdruck veränderte sich; so hatte selbst Arthur ihn noch nie gesehen, was diesem Angst machte: “Merlin? Merlin! Du bringst uns auch nicht weiter, wenn du ihn umbringst!“ Das kleine Wesen, das von Merlin in die Mangel genommen wurde, öffnete plötzlich seinen Mund - und sowohl Arthur als auch den Rittern fiel etwas an ihm auf. Arthur sprach es schließlich aus: “Merlin, warte. Merkst du es nicht? Der Kleine scheint keine Zunge mehr zu haben! Er kann nicht reden! Lass ihn los!”
Schließlich merkte es auch Merlin. Geschockt ließ er ihn tatsächlich los und wurde etwas ruhiger. Morgana hatte dem Wesen die Zunge entfernt? Das war ja furchtbar.. Dennoch musste er wissen, ob dieser Zwerg ihnen helfen konnte.. “Ich frage dich noch einmal: Wo sind die Mädchen und Elle? Kannst du uns zu ihnen führen?” Der Irrwisch nickte. Er wusste in Wirklichkeit mehr, als selbst Morgana ahnte, doch er hielt sich aus allem raus. Das war besser für ihn… Doch nun war seine Herrin nicht hier - er hatte keine Ahnung wohin sie verschwunden war - und er konnte es wagen, sich ihr zu widersetzen. Zumal er Angst hatte, von den jetzt hier eingefallenen Feinden Morganas, was diese definitiv waren, ermordet zu werden.. Also nickte er erneut und zeigte nach unten. Merlins Augen wurden schmal. “Meinst du die Kerker?” fragte er ihn geradeheraus und wieder nickte dieser. “Wie kommt man dorthin?” fragte er ihn und der Kleine zeigte erneut auf den Boden, woraufhin Merlin ihn runter setzte. Der Irrwisch begann, Richtung Ausgang zu wuseln und blickte dann zurück zu Merlin, Arthur und den Rittern. Diese folgten ihm.
Nach einigen Minuten hatte dieser sie zu einem Eingang geführt, der eindeutig in die Kerkergewölbe herunter führte. Das kleine Wesen zitterte. Es war eindeutig zu merken, dass er Angst hatte, weiter zu gehen. Merlin nickte, was das Wesen sich nicht zweimal sagen ließ. Er war so schnell verschwunden, dass weder Merlin, noch Arthur und seine Ritter erkennen konnten, wohin…
Doch das war jetzt egal. Sie hatten den Eingang gefunden und Merlin spürte einen immer größer werdenden Druck in sich. Er spürte Gefahr; große Gefahr. Dann raste er die Treppe und den Gang hinab, der ihn in die Kerker führte.
Merlin war noch vor Arthur und seinen Rittern in der Nähe der Zellen, so dass er der erste war, der es sah:
Die Beschaffenheit der Zellen, die vor ihm lagen, sah genau so aus, wie in seiner Vision, die schon einige Zeit zurück lag. Er sah Elle in der hintersten Zelle, sie war an eine Wand gefesselt, und in der Nebenzelle stand Jade, die ihre Hand an die Zellenstange hielt. Sie schrieen, und keiner von beiden nahm von ihm Notiz.
Merlins Blick glitt in die Richtung, in die Elle und Jade starrten und im ersten Moment erstarrte er in seinem Lauf. Er konnte nicht fassen, was er da sah. Er erblickte Leeana, ohnmächtig auf dem Boden liegend - und vor ihr kniete ein Mann, in eindeutiger Stellung.. Er hatte sie entkleidet, und sich selbst ebenfalls. Merlins Blut kochte. Das war es also, was er die ganze Zeit gespürt hatte.. Nun gab es kein Halten mehr. Er brüllte und das nächste, was zu hören war, war das laute Knallen der Kerkertür, als diese aufflog. Merlin stürzte hinein. Er nahm Elles und Jades erschreckte Ausrufe gar nicht mehr wahr; auch Arthurs Rufe nicht, der ihm etwas zurief. Er sah nur den Bastard vor sich, der gerade dazu ansetzte, seine kleine Leeana zu schänden.
Merlins Augen blitzten gelb auf und der Söldner, der gerade seinen Trieben freien Lauf lassen wollte, wusste nicht, wie ihm geschah. Er wurde von Leeanas Körper weggeschleudert und landete vor den Gitterstäben der Kerkerzelle. Merlin kniete sich auf ihn. Seine Augen funkelten immer noch gelb; doch sein Gesichtsausdruck war so verzerrt, dass es selbst Arthur, der nun ebenfalls in der Zelle angekommen war, mit der Angst zu tun bekam. So hatte er Merlin das letzte Mal vor 5 Jahren erlebt, als dieser unter dem Einfluss des weiblichen Dämons Lucerna gestanden hatte, und versucht hatte, ihn zu töten…
Dann riss er sich wieder zusammen. Er konnte Merlins Gefühle verstehen, auch er hatte begriffen, was hier beinahe geschehen wäre und auch in ihm regte sich Wut. Doch er begriff auch, dass sie diesen Söldner - Arthur hatte bemerkt, dass es sich bei ihm um einen solchen handelte - eventuell noch brauchen könnten; vor allem, wenn es darum ging, herauszubekommen, wo sich Morgana aufhielt.
Denn sie konnten mittlerweile davon ausgehen, dass diese nicht mehr im Schloss war.
Arthur legte Merlin eine Hand auf die Schulter. Dieser zuckte zusammen, doch er ließ den Griff, mit dem er den Söldner festhielt und ihn scheinbar zusammen sinken ließ, nicht los. Arthur bemerkte, dass der Söldner nicht mehr in der Lage zu sein schien, zu atmen. Das war Merlins Werk… “Merlin, hör auf damit!” Doch es gab keine Reaktion. Arthurs Ritter hatten mittlerweile versucht, die Kerkerzellen von Elle und Jade aufzubrechen, doch sie waren mit einem Zauber belegt, der so stark war, dass wohl nur ein anderer Zauberer in der Lage war, diese zu öffnen. So mussten sie sich damit begnügen, vor den Zellen Wache zu halten um diese vor eventuellen neuen Feinden zu verteidigen. Solange, bis Merlin wieder zur Vernunft kam… Arthurs Griff wurde fester. “MERLIN! HÖR AUF!!” Seine Stimme klang drohend. Und langsam drang sie in Merlins Ohr. Sein Griff wurde langsam weicher. Dennoch klammerte er noch an seiner Kehle. “Warum sollte ich diesen Bastard los lassen? Habt Ihr nicht gesehen, was er Leeana antun wollte??” presste er schließlich hervor. Arthur schluckte. “Doch, Merlin, das habe ich.. Und ich will nicht abstreiten, dass er es durchaus verdient hätte..
Dennoch bist du nicht der Mensch, der anderen so etwas antut; das weiß ich - und du weißt es auch! Du bist kein Mörder, Merlin! Auch nicht bei so einem “Menschen” wie ihm…” Arthur hatte das Wort “Mensch” mit so viel Verachtung ausgesprochen, wie es ihm nur möglich war. Dann riss er sich wieder zusammen. “Merlin, es gibt noch einen Grund: Hast du schon einmal daran gedacht, dass er wissen könnte, wo Morgana jetzt ist - sie ist definitiv nicht mehr hier im Schloss - und was sie vorhat? Er könnte uns Informationen geben. Wir brauchen ihn!”
Die Argumente kamen bei Merlin an und erreichten ihn schließlich auch. Bitterkeit stieg in ihm hoch, als er ihn schließlich aus seinem Würgegriff entließ. Arthur winkte Sir Lancelot und Sir Leon zu sich, die sich um den Söldner kümmerten. Auch sie nahmen ihn in einen festen Griff, doch nur so feste, dass er ihnen nicht entkommen konnte, nicht, um ihn umzubringen… “Und nun wollen wir Antworten hören, mein “Freund””, knurrte Arthur, als er sein Schwert zog, und es dem Söldner vor den Hals hielt…
Während sich nun Arthur und die Ritter den Söldner vornahmen, ging Merlin zu Leeana. Er kniete sich vor sie. Tränen standen ihm in den Augen, als er ihre Verletzungen sah. Die Haut an den Oberschenkeln sah furchtbar aus. Als erstes heilte er ihre Wunde. Diese schloss sich auch, doch Leeana wurde nicht wach. Die Ohnmacht war tief und er wusste nicht, weshalb sie nicht erwachte. Merlin riss sich zusammen und zog ihr als nächstes erst einmal wieder ihre Kleidung an. Er wollte nicht, dass sie sah, dass ein fremder Mann sie entblößt hatte, um… Er konnte nicht einmal daran denken, ohne beinahe auszuspeien. Was hatte das nur zu bedeuten.. Dann drangen Worte an sein Ohr. Er hörte seinen Namen und es waren weibliche Stimmen. Die eine kannte er, die andere noch nicht. Er sah auf.
Dann erblickte er Jade. Auch sie hatte Tränen in den Augen. Neben ihr in der anderen Zelle war Elle. Beide waren noch eingesperrt, und nun meldete sich auch Sir Gwain zu Wort: “Merlin, ich schaffe es nicht, mit meinem Schwert die Schlösser aufzubrechen; ich glaube, da hilft nur Magie..” Merlin strich Leeana kurz über ihr Gesicht, küsste sie sanft auf die Stirn und sagte: “Ich komme gleich wieder”… Dann ging er in Richtung der Zellen. Schließlich stand er vor ihnen. Zuerst nahm er das Schloss zu Elles Zelle in seine Hände, und das Schloss öffnete sich. Er ging ohne ein Wort zu ihr und befreite sie von ihren Fesseln. Dann öffnete er Jades Zellenschloss. Danach ging er ohne ein weiteres Wort zurück in Leeanas Zelle. Erneut kniete er sich nieder und nahm sie in die Arme. Warum wachte sie nicht auf? Er fühlte sich an den Moment erinnert, als er das letzte Mal glaubte, sie für immer verloren zu haben… Es war ein schrecklicher Augenblick gewesen. Dieses Mal wusste er, dass sie nicht tot war; doch er konnte nicht ausmachen, warum sie - trotz seiner Versuche - nicht wach wurde! Und dieses Mal gab es keine magischen Schutzsteine. Merlin wusste, dass wenn sie jetzt sterben würde, sie tatsächlich tot war. Ein- für allemal! Nichts und niemand konnte sie wieder holen. Und das durfte nicht sein…
Plötzlich merkte er, dass sich noch jemand neben ihn gekniet hatte. Er sah auf und bemerkte die rothaarige Frau - Elle, die Hüterin der Elemente - die ihn mit ihren großen, haselnussbraunen Augen ansah, aus denen die reinste Güte sprach. Und eine unausgesprochene Frage, die er mit einem stummen Nicken beantwortete. Elle legte eine Hand auf Leeanas Stirn. Dann schloss sie die Augen. Merlin nahm unterdessen Leeanas Hand in seine und beobachtete fasziniert, wie Leeanas Körpertemperatur, die vorab unnatürlich warm gewesen war - man könnte beinahe sagen, dass Leeana Fieber gehabt hatte - langsam sank. Und dann traten Tränen aus ihren Augen. Es schien beinahe, als würde sie weinen… “Was…” wollte er gerade ansetzen zu fragen, als er eine schwache Stimme und ein Stöhnen hörte. Leeana wurde langsam wach.
Merlin drückte sie an sich. Er schloss die Augen und streichelte sie, während sie langsam immer ruhiger zu werden schien.
Schließlich war es Leeana, die ihn ein wenig von sich fort schob. “Merlin? Bist du es wirklich??” fragte sie ihn, ungläubig. Er nickte nur. “Gott sei dank, du hast uns gefunden!” sagte Leeana nur und drückte sich erneut an ihn. Er erwiderte ihre Umarmung. Derweil war Elle aufgestanden und flüsterte ihm ins Ohr: “Sie war ohnmächtig; ich denke, sie hat davon nichts mitbekommen…” Dann ging sie, anscheinend um die beiden nicht zu stören. Merlin war ihr dankbar dafür. Und er war dankbar dafür, dass Leeana anscheinend von der versuchten Schändung nichts mitbekommen hatte. Er würde es ihr auch nicht erzählen und hoffte, dass es auch Arthur und seine Ritter nicht tun würden.
Apropos Arthur.. Er küsste Leeana erneut auf die Stirn und flüsterte sanft: “Ich muss kurz zu Arthur.. Gehst du eben mit Sir Gwain zu Elle und Jade?” Er winkte dem Ritter zu, und dieser verstand. Er kam sofort um die noch sehr schwache Leeana mit sich zu nehmen. Elle und Jade waren sich mittlerweile in die Arme gefallen. Nun nahmen sie Leeana in ihre Obhut und kümmerten sich um sie, während Merlin zu Arthur und den Rittern ging, die sich um diesen Söldner kümmerten. Wieder entflammte abgrundtiefer Hass in ihm, als er daran dachte, was er getan hatte, doch er versuchte, ihn zu dämpfen. Auch ihm kamen die Erinnerungen an die schrecklichen Tage, vor 5 Jahren hoch, als er schon einmal den Hass in ihn hatte fahren lassen. Das sollte nicht noch einmal passieren, auch, wenn das Opfer dieses Mal nicht Arthur Pendragon war..
Arthur sah ihn zuerst. Er kniff die Augen zusammen: “Bist du wieder bei dir?” fragte er nur und Merlin nickte. “Ja, das bin ich.. Habt Ihr etwas über ihn heraus gefunden?” fragte er nur und Arthur nickte. “Ja, das haben wir tatsächlich. Er war zuerst ein wenig - sagen wir redefaul - doch nachdem wir etwas nachgeholfen haben, hat er uns etwas wirklich Interessantes erzählt. Es ist wohl so, dass ein Mann namens Nirar mehrere Söldner beauftragt hat, nach Morgana zu suchen und ihm ihren Aufenthaltsort zu nennen. Warum weiß er nicht, danach haben sie angeblich nicht gefragt.. Nun ja, jedenfalls war er der erste, der sie ausfindig gemacht hat; nur leider wurde er von ihr erwischt.. Und nachdem er ihr dasselbe erzählt hat, wie uns jetzt, hat sie ihm das Doppelte der Belohnung versprochen - plus einer “Zusatzbelohnung””. Arthur machte eine kurze Pause. “Die “Zusatzbelohnung” waren Leeana und Jade.. Er sollte sich beide “vornehmen” um damit Elle weich zu bekommen.. Tut mir Leid, Merlin.. Ich denke, wir sind wirklich gerade im richtigen Moment gekommen…”
In Merlin kochte es erneut. Er konnte sich gerade noch beherrschen, doch er musste sich umdrehen. Und Arthur konnte sehen, wie Merlin seine Hände zu Fäusten ballte, bis sich diese weiß färbten. Er konnte Merlins Gefühle verstehen. Auch in ihm kam ähnliche Wut hoch, wenn er daran dachte, was der Kerl beinahe getan hätte. Dennoch konnte er nicht zulassen, dass Merlin ihm etwas tat. Zudem.. Er sprach schnell weiter: “Er hat uns auch erzählt, dass Morgana nun auf dem Weg in sein Land ist, um diesen Nirar zu finden. Sie will wohl von ihm wissen, was er über sie weiß und weshalb er sie suchen lässt.. Und dasselbe werden wir nun auch tun. Wir werden sie suchen - und er wird uns begleiten. Eventuell ist er uns ja sogar noch nützlich. Du wirst uns sicherlich noch hilfreich sein, nicht wahr; Söldner?”
Lassar sah Arthur nur verächtlich an, doch als er dann in Merlins Augen sah, die vor Verachtung und Hass nur so sprühten, nickte er. Auch, wenn er es sich nicht anmerken ließ, er hatte Angst vor diesem Zauberer. Und er hatte nicht vor, seinetwegen sein Leben zu verlieren. Nicht für ihn und auch nicht für diese Zauberin. Für niemanden. Er würde erst einmal mit ihnen zurück gehen. Und wenn die Gelegenheit günstig war, würde er versuchen zu fliehen. Es würde sich schon eine Gelegenheit ergeben. Dachte er jedenfalls…
Nachdem nun klar war, was sie tun würden, ging Merlin erneut zu Elle, Jade und Leeana, die bei Gwain standen und von ihm versorgt wurden. Elle und Jade schien es gut zu gehen und Leeana bekam auch langsam mehr Farbe im Gesicht. Auch ihr ging es wieder besser. Merlin sah es mit Freude. Dennoch stand ihm die Sorge ins Gesicht geschrieben und er wollte auf keinen Fall, dass Leeana gesagt bekam, was während ihrer Ohnmacht geschehen war. Er würde noch mit Elle und Jade sprechen müssen… Vorerst übernahm Arthur das Reden und teilte ihnen in kurzen und knappen Sätzen mit, was sie nun vorhatten. Danach war es erst einmal ruhig. “Also habt Ihr vor, Morgana hinterher zu reisen und herauszufinden, was dieser Nirar von ihr will.. Und wer er überhaupt ist?” fasste schließlich Sir Gwain Arthurs Worte zusammen. Dieser nickte. “Und was ist mit Elle und den Mädchen? Sie müssen sie zurück nach Camelot bringen!” sagte Merlin. Ihm war deren Sicherheit wichtiger. Arthur schüttelte den Kopf: “Wir haben keine Zeit dafür. Wir werden alle gehen, Merlin. Elle und die Mädchen sind in unserer Obhut. Und außerdem haben auch Elle und Jade Fähigkeiten, die uns durchaus hilfreich sein können, nicht wahr, Elle?” Diese nickte. “Ja, das haben wir. Macht Euch keine Sorgen um uns, wir schaffen das schon.” Doch Merlin war nicht zu überzeugen. Er schüttelte den Kopf: “Ich werde Leeana nicht noch einmal in Gefahr bringen! Sie mitzunehmen ist viel zu gefährlich! Was ist, wenn wir angegriffen werden? Wenn Morgana uns angreift? Sie hat Elle hier eingesperrt, weil sie sich ihre Macht aneignen wollte. Was ist, wenn sie heraus findet, dass wir sie befreit haben, und uns angreift?..”
Weiter kam er nicht. Arthur war vor ihn getreten und nun blitzte es in seinen Augen. Er war wütend, das konnte man erkennen: “Merlin, du hörst mir jetzt zu: Ich habe bis jetzt alles getan, was du wolltest, da es um die Mädchen und Elle ging. Und ich weiß, wie viel dir vor allem Leeana bedeutet. Doch jetzt ist Schluss! ICH bin hier der Führer! Die Mädchen und Elle sind befreit. Jetzt ist es vorrangig, Morgana zu finden. Und außerdem denke ich, dass es auch für Elle, Jade und Leeana sicherer ist, wenn sie von uns beschützt werden. In Camelot waren sie ja auch nicht sicher, oder?” Das letzte Argument war ausschlaggebend, das Merlin zumindest zweifelte und nicht sofort zurück schlug. Plötzlich trat Leeana zu ihm und legte ihm eine Hand auf die Schulter. “Arthur hat Recht. Außerdem möchte ich bei euch bleiben. Vor allem bei dir! Du, Elle und Jade könnt uns vor magischen Gefahren beschützen, während uns Arthur und die Ritter bei Angriffen schützen. Bitte Merlin, lass uns nicht alleine nach Camelot zurück!”
Sie hatte so eindringlich gesprochen, dass Merlin schließlich nachgab. Er seufzte. Begeistert war er von dem Plan immer noch nicht, aber im Grunde wusste er, dass Arthur Recht hatte. Er nickte ergeben. “Also gut. Damit wäre das erledigt. Lass uns aufbrechen. Leeana, du reitest mit Merlin auf einem Pferd, Elle und Jade können jeweils bei Sir Leon und Sir Gwain aufsitzen. Und Lancelot,: Ihr reitet neben mir; denn auf Eurem Pferd nimmt unser “Gast“ Platz! Kommt jetzt!”
Und so wurde es gemacht. Der unfreiwillige “Gast” wurde gezwungen, ihnen den Weg zu beschreiben, der sie zu seinem Dort führen würde - und damit auch zu Morgana und diesem Nirar, von dem keiner wusste, was er im Schilde führte. Keiner von ihnen wusste, was sie erwartete und vor allem Merlin hatte einen Kloß im Hals und ein unheimlich übles Gefühl im Magen. Er hatte bei dem ganzen Trubel etwas ganz entscheidendes übersehen, bzw. vergessen, was ihm gerade wieder eingefallen war: Morgana hatte die Macht, die Mächte anderer Zauberer und Magier in sich aufzunehmen. Unter anderem die der Kinder, die sie getötet hatte. Auch Elles Mächte wären ihre, wenn sie es schaffen würde, sie zu besiegen. Glücklicherweise war die Gefahr nun wenigstens ein wenig geringer geworden. Doch war sie ganz gebannt; jetzt, wo sie mit ihnen reiste? Sicherlich nicht. Und noch etwas fiel ihm ein: Was war mit seinen Kräften? Wenn er sich mit ihr duellierte, könnte es doch genauso geschehen, dass sie ihn seiner Kräfte berauben könnte… Wie konnte er sie bekämpfen, ohne dass dies geschah? Er wusste es nicht; und das machte ihm extreme Sorgen. Doch noch behielt er diese für sich. Sie würden erst einmal weiter sehen. Jetzt ging es erst einmal darum, diesen Mann zu finden und heraus zu finden, wer er war, was er vorhatte und was Morgana damit zu tun hatte!…

